Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs in Lommel

am 24. Mai 2005

Schon lange hegten wir den Wunsch,
den Soldatenfriedhof in Lommel aufzusuchen.
Es ist ein fremder Ort in einem fremden Land.
Dennoch ist es ein vertrauter Ort,
vertraut durch Berichte und Bilder.
Und vertraut durch das Wissen,
dass hier einer meiner Vorfahren begraben liegt,
einer, den ich nur vom Erzählen her kenne.
Ohne ihn gäbe es mich nicht!
Ihm zu Ehren unternahmen wir diese Reise -
endlich!

Es ist nun 65 Jahre her, dass meine Oma die Nachricht erhielt,
ihr Mann sei an den Folgen einer Schussverletzung verstorben.
Das war damals im 2. Weltkrieg.
Johann Sechser wurde eines der zahlreichen Opfer.

Er kannte seine zwei Kinder kaum.
Einmal auf Fronturlaub - so erzählte meine Mutter -
hatte sie Angst vor ihm, als er so plötzlich in Uniform vor ihr stand.
Aber das war doch ihr Vater, ihr Papa.
Damals ein Fremder zu Hause?

Ich kenne sein Gesicht nur von einem kolorierten Foto.
Ein junges Gesicht - 
mein Opa!
Er wirkt stolz in seiner Uniform.
In seine Ideen von Familie und Beruf schoben sich 
die Gedanken an Kampf und Krieg.
Konnte er sich vorstellen, dass er niemals das Glück haben wird,
gemeinsam mit Frau und Kindern durch das Leben zu gehen?

Vom Krieg kehrte er nicht heim.
Er starb in einer fremden Umgebung.
Er starb in einem fernen Land.
Er starb ohne seine Liebsten.
Er starb im Alter von 27 Jahren.

Bei einem Gefecht im 2. Weltkrieg wurde mein Großvater schwer verwundet und
am 24.5.1940 in ein Lazarett eingeliefert.
In der Nacht zum 25.5.1940 erlag er seinen Verletzungen.
Beigesetzt wurde er in St. Niklaas südlich von Antwerpen.
Am 15.12.1948 wurde er schließlich in den deutschen
Soldatenfriedhof in Lommel umgebettet.

Über den Suchdienst der Bundesgeschäftsstelle des 
Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., 
der online verfügbar ist (siehe Links), 
erfuhr ich die Nummer der Grabstätte:

 Johann-Baptist Sechser ruht auf der vom Volksbund hergerichteten 
Kriegsgräberstätte in Lommel (Belgien)
.
Endgrablage: Block 40 Grab 447

(Klicken Sie zum Vergrößern auf das Bild)

"EIN DEUTSCHER SOLDAT"
unter 40000 anderen Gefallenen! 

Ich kannte ihn nicht.

 

© Herbert Kraus, Jahnstr. 32, 92696 Flossenbürg, Deutschland